„Du sollst keine anderen Systeme haben neben mir“ – Gedanken zur Alleinstellung des PLM-Systems

Sucht man in Google nach dem Begriff PLM, findet man auf den ersten Seiten hauptsächlich PLM-Systemhersteller. Auch im sonstigen Gebrauch des Begriffes wird vielfach PLM mit PLM-System gleichgesetzt und somit dieser Managementansatz auf eine Softwarelösung reduziert. In meinem heutigen Blogartikel möchte ich einige Gedanken zusammentragen, die sich von dieser Betrachtungsweise lösen und einen anderen Blickwinkel auf dieses Thema zeigen.

Die erste These ist, dass ich mich vom klassischen Ansatz eines PLM-Systems trennen möchte, dass alle produktrelevanten Daten möglichst in der Datenbank und/oder Vault zusammengefasst werden sollen. Was passiert eigentlich, wenn man dem Konstrukteur seine PDM-Lösung lässt, die gut mit seinem CAD-System integriert ist. Der Projektingenieur fühlt sich eigentlich auch ganz heimisch mit seinem MS Project und die Arbeitsvorbereitung legt ihre Dokumente auf einem Netzlaufwerk ab. Und für den Hauptteil der Arbeit reicht das auch vollkommen.

Solange jeder auf seiner Insel bleibt, ist auch jeder zufrieden. Schwierig wird es nur, wenn zum Beispiel Änderungsprozesse disziplinübergreifend bearbeitet werden müssen und somit eine gemeinsame Datenbasis unbedingt notwendig wird. An dieser Stelle schlägt die Stunde eines PLM-Systems, das die einzelnen Inseln in ein Datenmodell integriert. Welcher Aufwand notwendig ist, diese Insellösungen in ein PLM-System zu überführen, kennen wir aber auch alle. Die technische Herausforderung steht dabei gar nicht im Vordergrund. Viel aufwändiger ist der Änderungsprozess in den Köpfen der Anwender, die von ihrem lokalen Maximum – ihrer Insellösung – auf ein globales Maximum – PLM-System – umschwenken müssen. Wie viele PLM-Projekte sind eigentlich schon an diesem Punkt gescheitert, obwohl sie in Betrachtung des Gesamtunternehmens definitiv die versprochenen Ziele erreicht hätten?

Der Kompromiss wäre doch, dem Anwender sein lokales Maximum zu lassen und trotzdem die Zusammenarbeit zu ermöglichen. Ein Vorschlag, den ich hier zur Diskussion stellen möchte, ist, das PLM-System eher als intelligente Suchmaschine zu sehen. Trennen wir uns doch mal vom Gedanken der kompletten Systemintegration. Vielleicht ist es viel effektiver, weniger Zeit in die Datenablage in komplexen Datenmodellen zu investieren und dort eher lose ein Informationsnetzwerk zu spannen. Und wir denken mal an eine Google-Like Suchmaschine, die mir in unterschiedlichen Datenquellen die Informationen zusammensucht, die ich für meine aktuelle Aufgabe gerade benötige. Und mit der Unschärfe von unpassenden Treffern der Suche lebe ich einfach. Im normalen Internetalltag tue ich das ja auch. Wobei, wenn ich mir so anschaue, wie treffsicher mir Amazon mir Vorschläge „Das könnte Sie auch interessieren“ aus den wenigen Informationen macht, die dort zur Verfügung stehen. Und wenn man diesen Gedanken mal auf unsere PLM-Strategie transportiert:

PLM ist meine Amazon-Google-Suchmaschine für die Informationen meines aktuellen Arbeitsauftrags. Den Daten, die ich für meine Arbeit benötige, folge ich im PLM-Twitter. Und das alles habe ich zusätzlich zu meiner klassischen Insellösung, mit der ich seit Jahren arbeite.

Ich möchte aber auch neben den positiven Dingen auch die negativen Aspekte nicht verschweigen: Wer sagt mir, dass meine Suchergebnisse vollständig sind? Was passiert mit meinen Prozessen, den elektronischen Workflows? Ich freue mich auf eine rege Diskussion mit den Lesern dieses Artikels.

Review Gartner IT-Trends 2011 und die Auswirkungen auf das PLM

Mitte des vergangenen Jahres haben wir die IT-Trends, die jedes Jahr von Gartner veröffentlicht werden, auf die Verwendbarkeit in PLM-Systemen geprüft. Auch wenn sich die IT-Trends nicht direkt auf den Bereich PLM bezogen, konnten wir uns bei der Mehrzahl der vorgestellten Technologien durchaus vorstellen, dass sie sinnvoll im Bereich PLM eingesetzt werden könnten. Seitdem sind ein paar Monate vergangen und nun wollen wir einen kurzen Rückblick geben auf das, was sich bisher verändert hat.

Im ersten Teil der IT-Trends 2011 wurde das Cloud Computing von uns mit einer positiven Prognose versehen. Tatsächlich hat sich in diesem Bereich schon etwas getan. Seit ein paar Monaten gibt es z. B. einen Cloud-Service für das PLM-System Aras Innovator. Dabei wird das PLM-System von einer Firma zur Verfügung gestellt, erweitert und gewartet. Damals war ich diesem Konzept gegenüber skeptisch und auch heute kann ich nicht beurteilen, ob das Produkt angenommen wird. Mal abwarten, wie es sich in den kommenden Monaten weiterentwickelt, denn interessant ist dieser neue Weg allemal. Nähere Informationen finden Sie zum Beispiel bei Digital Engineering.

Aus dem zweiten Teil der IT-Trends 2011 kann man besonders „Next Generation Analytics“ zu den Überraschungen zählen. Uns ist in den vergangenen Wochen häufig aufgefallen, dass einige Unternehmen vermehrtes Interesse an Technologien und Lösungen haben, die gesammelte Daten aus PLM-Systemen für die Erstellung von Ausblicken, Prognosen und Simulationen verwenden können. Dabei scheint der Fokus besonders auf Projekt- und Ressourcenplanung zu liegen, daher sind für diesen Bereich auch bereits Lösungen in Arbeit.

Andere Technologien lassen leider noch mit merkbaren neuen Innovationen für PLM-Systeme auf sich warten. Doch man kann davon ausgehen, dass sich in den kommenden Monaten wieder einiges in der PLM-Welt verändern wird. Ich blicke gespannt in die Zukunft und freue mich, Ihnen in den nächsten Wochen die IT-Trends 2012 von Gartner vorstellen zu können.

DataSquare + MEAIS = IHR PLM-HAUS

Wir starten mit einer Meldung in eigener Sache ins neue Jahr:

DataSquare - Ihr PLM-HausZum Jahreswechsel wurde DataSquare mit seiner Schwesterfirma MEAIS verschmolzen. MEAIS (Misdorf Engineering and IT-Solutions) war ursprünglich ein Ingenieurbüro, das sich auf Softwareentwicklung spezialisiert hat. In den letzten Jahren standen wir bereits häufig mit den Kollegen im Kontakt, weil es bei vielen Projekten Berührungspunkte gab. Wir freuen uns nun auf eine engere Zusammenarbeit und darauf, auf das Know-how der MEAIS-Kollegen im Bereich des technischen PLM-Consultings und auf ihren Engineering-Background zugreifen zu können.

Mit dieser Erweiterung unserer PLM-Expertise können wir ein noch umfassenderes Consulting bieten. Wir möchten unseren Kunden künftig als PLM-Haus in allen Fragen des Product Lifecycle Managements zur Seite stehen.

Auf unserer neuen Website können Sie sich über unser erweitertes Angebot informieren.

Wir wünschen Ihnen ein schönes neues Jahr und sind gespannt auf die PLM-Themen, die 2012 mit sich bringen wird.

Alle Jahre wieder … – Erfolgreiches Wunsch- und Geschenkemanagement

Frohe WeihnachtenLiebe Leser,

wir möchten dieses Blog-Jahr mit einer besonderen, ganz aktuellen Betrachtung des Product Lifecycle Managements abschließen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen, eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch in ein erfolgreiches neues Jahr.

Ihr PLM-Blog-Team


Das PLM-System des Weihnachtsmanns

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Geschenke, ist alle Jahre wieder eine große Aufgabe für den Weihnachtsmann.

Gerade die logistische Herausforderung, jeden der Wünsche auch zeitgerecht und wunschgemäß zu erfüllen, wäre ohne PLM-System sicherlich nicht möglich. Wie kann man sich sonst die extrem niedrige Fehlerrate der falsch gelieferten Weihnachtsgeschenke und auch die volle Umsetzung der Extrawünsche erklären?

Da er weltweit tätig ist, sein Budget sehr limitiert ist und er keine große Administration aufbauen kann, hat der Weihnachtsmann sich für ein Open Source PLM-System entschieden, das alle seine unternehmensrelevanten Systeme steuert.

Die logistische Herausforderung startet für den Weihnachtsmann zunächst mit dem Erfassen aller Wunschzettel (Requirementsmanagement) der Beteiligten. Wobei hier eine Versions- und Revisionssteuerung unerlässlich ist, da wie bekannt, sich diese Wunschzettel oftmals stündlich ändern. Ohne sinnvolle Check-in und Check-out-Mechanismen, eine Steuerung der Zugriffsrechte und Verteilung anhand von Workflows (heimlich Oma und Opa zustecken) kann das System nicht funktionieren. Da das Medium und auch die Darstellung der Wunschzettel nicht einheitlich geregelt sind, sind Technologiestandards wie eine offene SOA-Architektur für den Weihnachtsmann zwingend nötig.

Nach erfolgter Requirementsaufnahme und Absegnung durch das elterliche Changeboard startet das interne Projektmanagement zur Beschaffung. Hier ist die Einbindung der externen Schenker über gruppen- oder rollenbasierenden Zugriffsrechten wie z. B Oma und Opa unerlässlich, damit doppelte Lieferungen von vornherein ausgeschlossen sind. Außerdem darf der Weihnachtsmann die entsprechenden Zulieferer wie zum Beispiel die Wichtel, Amazon, Toys’r’us nicht außer Acht lassen, damit eine pünktliche Lieferung bis zum 24.12. erfolgen kann. Hier kommt ein phasengesteuertes Projektmanagement zum Einsatz, wobei die einzelnen Milestones durch eine einfache Modellierungs-Workflow-Engine auf der Einkaufsliste von Mutti abgestrichen werden können. Auch hier gibt es zusätzliche logistische Anforderungen, damit die Ware möglichst diskret und idealerweise schon fertig in Geschenkpapier eingeschlagen angeliefert wird.

Der knappe Zeitplan kann durch eine sehr gute FMEA-Analyse gehalten werden. Dadurch werden die Fehler letztendlich minimiert, sodass durch „Best Practise“ und ein CMII-Vorgehensmodell die Lieferungen seit Jahrhunderten ohne größere Probleme vorbildlich klappen.

Auch der Product Lifecycle für die ersten Stunden der Geschenkverwendung muss gleich mitgeplant werden, da beispielsweise zu wenig vorhandene oder sogar falsche Batterien das Weihnachtsfest schnell in eine Eskalationsrunde ausarten lassen. Letztendlich ist eine komplette Steuerung des Lebenszyklus unerlässlich, damit man auf Lieferungen vergangener Weihnachtstage sinnvoll aufbauen kann und die richtigen Ergänzungssätze oder auch Schmuckteile immer im Lieferumfang parat hat.

Unser Fazit: Weihnachten wird durch das PLM-System entschieden!

DataSquare goes CMII

Das Thema Konfigurationsmanagement und dessen enge Verbindung zum PLM wurde in verschiedenen Beiträgen in diesem Blog bereits betrachtet. Insbesondere sei dabei auf zwei Artikel verwiesen: PLM & CMII, in dem der generelle Zusammenhang zwischen dem Organismus PLM und dem Rückgrat CMII beschreiben wird. Auf einen besonders wichtigen Aspekt der Kostenvermeidung für Nacharbeiten geht der Beitrag Stabilität durch weniger Nacharbeit ein.

Unsere Projekterfahrung zeigt uns, dass die Symbiose zwischen dem Konfigurationsmanagement und dem PLM sehr eng ist. Die Bereiche des Änderungswesens, des Anforderungsmanagements, der Strukturierung von Produkten in unterschiedlichen Sichten und noch vieles mehr bilden eine große Schnittmenge aus beiden Managementansätzen. Manchmal haben diese Dinge einen anderen Namen, aber der Inhalt ist doch sehr oft ähnlich oder sogar identisch.

GfKMDaher freut es uns sehr, dass die Gesellschaft für KonfigurationsManagement, als Hüter des CMII-Standards, uns als PLM-Beratungshaus den Status CMII-ESP – CMII Europe Solution Partner verliehen hat. Um es mal mit Willy Brandts Worten zu sagen: „Da wächst zusammen, was zusammen gehört“.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der GfKM.

Optimierung der Interaktion – Abkehr von traditionellen Eingabegeräten?

In der heutigen Zeit gibt es nur wenige Menschen, die nicht fast täglich Maus und Tastatur nutzen, um mit einem Computer zu interagieren. Sei es im privaten oder beruflichen Umfeld, die traditionellen Eingabegeräte sind jedem bekannt und man sieht sie als eine Selbstverständlichkeit an. Doch hinter den verschlossenen Türen mancher Forschungseinrichtung haben sich einige intelligente Köpfe schon lange mit alternativen Eingabegeräten beschäftigt. Das Ziel dabei ist, eine noch intuitivere und schnellere Benutzbarkeit des Arbeitsgerätes zu ermöglichen. Bei meinen Recherchen sind mir einige Technologien aufgefallen, die jetzt schon für die Bereiche Konstruktion oder Fertigung angeboten werden oder in Zukunft auch für andere Unternehmensbereiche eine große Rolle spielen könnten.

Firmen wie Dassault und Autodesk haben die Notwendigkeit neuer Eingabetechniken zur dreidimensionalen Modellierung erkannt und eigene innovative Technologien in ihr Produktportfolio aufgenommen. In der vergangenen Woche hat Dassault sein neues Produkt Natural Sketch angekündigt. Autodesk nennt sein Produkt Alias Sketch. Erste Eindrücke aus Präsentationsvideos beider Unternehmen lassen die Hoffnungen von Konstrukteuren steigen, mit diesen neuen Entwicklungen 3D-Modelle ähnlich intuitiv wie 2D-Modelle erstellen zu können. Die Mittel, die man dazu zur Verfügung hat, sind ebenfalls vergleichbar. Zum Zeichnen wird eine Art elektronischer Stift verwendet und als Zeichentisch bzw. -platte dient ein großer Touchscreen. Beide Produkte sind speziell auf die Arbeit mit den angesprochenen Werkzeugen zugeschnitten und werden das Leben der Konstrukteure dadurch wohl wieder etwas vereinfachen. Weitere Informationen und zwei interessante Videos zu diesen Technologien stellt der Artikel Historical Perspective: From Ivan Satherland to Modern 2D/3D Sketch Apps im Blog Beyond PLM für Sie bereit.

Aus dem Labor von Microsoft stammt eine weitere vielversprechende Technologie, die die Interaktion mit Computern nachhaltig verändern könnte. Es handelt sich dabei um Omnitouch, eine Technik, die ermöglicht die Benutzeroberfläche auf beliebige Flächen zu projizieren und als interaktive Touchscreens zu verwenden. Sei es die Handfläche, eine Wand, ein Tisch oder eine andere geeignete Oberfläche – man kann seinen portablen Computer überall bedienen. In der Fertigung eines Produktes könnte man, ohne seinen Arbeitsplatz verlassen zu müssen, ein PLM-System bedienen und z. B. einen Freigabeprozess vorantreiben.

Aus technischer Sicht ist besonders interessant, dass die Technologie hinter Omnitouch auf verhältnismäßig einfachen Komponenten beruht und daher auch erschwinglich sein wird. Ein Raster, das mit infrarotem Licht, das für den Menschen nicht wahrnehmbar ist, auf die jeweilige Oberfläche abgebildet wird, dient einer Tiefenkamera als Orientierung. Sie sorgt dafür, dass die Eingaben durch die Finger des Anwenders räumlich erkannt werden. Die Auswertung der Informationen, die durch diesen Sensor gesammelt wurden, nimmt ein angeschlossen Rechner vor und führt entsprechende Folgeaktionen aus.

Aus Sicht von Unternehmen der Fertigungsindustrie bieten sich durch die angesprochenen Technologien sicher neue Perspektiven zur Optimierung vieler Arbeitsabläufe. Interessant wird sein, wie lange es dauert, bis eine solche Technik in Unternehmen zum Einsatz kommen wird, und ob diese Technologien tatsächlich traditionelle Eingabegeräte ablösen können.

IT überholt M-CAD: Mehr Software im Produkt verschiebt die Führung im PLM

In der Entwicklung eines neuen Produktes in der Fertigungsindustrie gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Entwicklungsbereiche und dementsprechend auch drei verschiedene Datenmodelle, die in einem PLM-System mit integriertem Application Lifecycle Managament (ALM) miteinander in Einklang gebracht werden müssen: Mechanik, Elektrik und Software. Der führende Bereich war dabei in der Vergangenheit die Mechanik – daran orientierten sich die Elektrik und die Software eines Produktes.

Wie schon von meinem Kollegen Steffen Groth in seinem Rückblick auf das Aras Community Event 2011, nimmt aber besonders der Softwareanteil eines Produktes immer mehr zu. Viele zuvor rein mechanische Vorgänge werden jetzt durch Steuereinheiten, bestehend aus mechanischen und elektronischen Komponenten sowie entsprechender Software, übernommen. War es früher noch möglich, vereinzelte kleine Softwaremodule fast nebenbei zu entwickeln, erfordert die heute tiefgehende Integration in das Produkt eine ebenso tiefgehende wie gleichberechtigte Abstimmung auf Mechanik und Elektronik. In der Praxis entstehen hier große Reibungspunkte, da sich beispielsweise die Entwicklung eines M-CAD-Modells und einer Softwarekomponente stark unterscheiden.

Bekommt ein Konstrukteur die Aufgabe, ein M-CAD Modell für eine Produktkomponente herzustellen, wird zunächst ein den Anforderungen entsprechender Prototyp der Komponente erstellt. Dies kann je nach Komplexität einige Tage in Anspruch nehmen. Sobald das Digital Mock-Up (DMU) des Modells fertiggestellt ist, findet ein Review des Projektleiters statt. Dabei werden nötige Änderungen oder auch geplante Varianten des virtuellen Prototyps besprochen. Nachdem der Konstrukteur diese Anpassungen im Modell vorgenommen hat, kann dieses samt Varianten bestenfalls schon fertiggestellt sein.

In der Softwareentwicklung wird häufig ein iterativer und/oder agiler Entwicklungsansatz verfolgt. Dadurch wird ein hohes Maß an Kontrolle und damit einhergehend auch eine gesteigerte Qualität geschaffen. Häufig teilt man daher die Softwarekomponente dafür in noch kleinere Bestandteile auf, die dann iterativ entwickelt werden. Nach der Fertigstellung jedes Bestandteils findet eine genaue Prüfung der Funktionalität statt und das weitere Vorgehen wird bestimmt. Häufig werden auch alle bis dahin fertiggestellten Bestandteile der Gesamtkomponente gemeinsam auf eventuelle Nebeneffekte hin getestet. Generell sind die Entwicklungszeiten einzelner Bestandteile recht kurz, deshalb ist es auch kurzfristig möglich, Zwischenstände der Software zum Bespiel für einen Test der Elektrik bereitzustellen.

Teile der Software können anderen Bereichen also bereits in frühen Entwicklungsphasen für Funktionstests bestimmter Funktionalitäten zur Verfügung gestellt werden. Beim M-CAD-Modell ist die Nutzung eines Zwischenstandes dagegen nur in weitaus weniger Fällen sinnvoll.

Entwicklungsabläufe Software und M-CAD

Vergleich Entwicklungsabläufe Software und M-CAD

Der wesentliche Faktor bei der Abstimmung der angesprochenen Entwicklungsbereiche Mechanik, Elektrik und Software ist also die Zeit. Wenn es z. B. einen zeitlichen Versatz der aufeinander aufbauenden Komponenten der drei Bereiche gibt, führt es noch schneller als in gewöhnlichen Projekten zu unüberschaubaren Problemen in der Planung von Abhängigkeiten und Ressourcen. An diesem Punkt ist ein PLM-System mit einer engen Verknüpfung der parallelen Entwicklungsprozesse und Datenmodelle im Bereich Mechanik, Elektrik und Software als steuerndes und überwachendes Werkzeug gefragt.

BOMs: Mechanik, Elektrik und SoftwarePLM-Systeme werden sich in naher Zukunft noch stärker mit den Problemen, die diese notwendige Verschmelzung erzeugt, beschäftigen müssen. Die wachsende Komplexität der Produkte und der daraus resultierende erhöhte Anteil von Software und Elektrik erfordern ein Umdenken im Konfigurationsmanagement und in der Fertigungsplanung.

Es stellt sich die Frage: Ist es noch zeitgemäß, sich bei den gegenwärtigen Veränderungen bedingungslos am mechanischen Design zu orientieren?

Neue Wege der Produktentwicklung: Social Product Development

Der ein oder andere hat sicherlich schon von Quirky gehört. Ein in New York ansässiges Unternehmen, welches seit einiger Zeit für Aufsehen sorgt. Dabei handelt es sich um eine Plattform zum Austausch von Produktideen – vornehmlich einfacher Produkte aus dem täglichen Leben – und zur Weiterentwicklung vielversprechender Vorschläge zur Markreife.

The Quirky Process

Jedes Mitglied kann gegen eine kleine Gebühr Ideen einreichen und diese von der Community bewerten lassen. Die populärsten Ideen werden dann gemeinsam mit der Community und Quirky entwickelt und über die verschiedensten Kanäle vermarktet. Diejenigen Nutzer, deren Vorschläge Berücksichtigung finden, werden von Quirky an dem Produkterfolg beteiligt.

“Thirty cents of every revenue dollar goes back to influencers, and a number of them have already earned tens of thousands of dollars.” (Quirky-CEO Ben Kaufmans)

Sicherlich ist diese exotische Variante der Produktentwicklung nicht für komplexe Güter anzuwenden, wie sie in Deutschland nahezu branchenübergreifend anzutreffen sind. Dennoch birgt das Vorgehensmodell der Quirky-Produktentwicklung seinen gewissen Reiz.

Die Möglichkeit, Tausenden von Produktentwicklern gemeinsam die Chance zu bieten, ein Produkt von der Idee bis hin zur Markreife zu entwickeln, ist beachtlich. Die Vereinigung und Nutzung des Know-hows der breiten Masse aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Design, Engineering, Production, Sales und Customer hilft Quirkys Entwicklung, potentielle Fehlerquellen schon während der Entstehung auszuschließen und ein vom Markt akzeptiertes Produkt zu entwickeln.

Kann eine „ernsthafte“ Produktentwicklung nun von dem Modell profitieren?

Meiner Meinung nach steckt viel Potenzial in dieser Idee der gemeinsamen Entwicklung. Die Einbeziehung einer externen Community ist mit der Praxis deutscher Produktentwicklung sicherlich nicht vereinbar. Aber was spricht gegen die „frühzeitige“ Integration verschiedenster Unternehmensdisziplinen in den Design und Entwicklungsprozess? Erfahrungen aus Produktion, Vertrieb und Service liegen oftmals brach oder werden nicht rechtzeitig in die Entwicklung von Produkten mit einbezogen. Vermeidbare nachträgliche Änderungen, Kosten und Verzug sind meist die Folge. Die Schaffung einer interdisziplinären Plattform zur Kommunikation, Erfahrungsaustausch und Dokumentation kann helfen, neue Innovationen zu fördern und die Produktentwicklung zu beschleunigen. Mein Blog-Weggefährte Bernd Kensbock hatte in einem interessanten Beitrag IT-Trends 2011 die Möglichkeiten der Social Communications und Collaboration in PLM-Systemen behandelt.

Das Wissen liegt im Unternehmen – es fehlt zumeist an einer übergreifenden Plattform zum Austausch.

Was meinen Sie?

Produktinnovation vs. PLM-Innovation

In einigen Artikeln unseres Blogs haben wir zukünftigen Trends im PLM-Umfeld sehr genau beleuchtet und uns gefragt, welche Innovationen aus der Informationstechnologie Bedeutung für zukünftige PLM-Systeme haben werden. Mein Kollege Bernd hat eine Bewertung der Top Ten „IT Trends 2011“ der Gartner Group vorgenommen und dargelegt, welchen Einfluss diese Top Ten auf den PLM-Markt haben könnten. Besonders oft genannten Trends wie Web 2.0 oder soziale Netzwerke haben wir eigene Artikel gewidmet.

PLMIn meinem heutigen Beitrag möchte ich einmal die Perspektive wechseln und aus der Sicht auf das Thema PLM schauen, auf die es eigentlich ankommt. Es geht um das „P“ in PLM – das Produkt. PLM ist ja kein reiner Selbstzweck von Softwareentwicklern, sondern im Zentrum des Interesses steht das Produkt und nicht die Software, die zu dessen Verwaltung angeschafft wird. Somit stellt doch die Innovation des Produktes eine der größten Herausforderungen dar, mit denen PLM umgehen muss und für die dieser Managementansatz und dann natürlich auch die dazugehörigen Softwaresysteme weiterentwickelt werden müssen. Schnelle, einfache Anpassbarkeit und Flexibilität in der Datenmodellierung und Prozessabbildung ist dabei unabdingbar.

Nun könnte man allein über die Produktinnovation in einer dedizierten Branche seitenlange Artikel schreiben. Man denke dabei nur an Hybrid- oder Elektroantriebe im Automobilbereich. Mit diesen speziellen Themen werden wir uns noch in weiteren Blogbeiträgen beschäftigen. Aber einige Trends dürfen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Software definiert heute in immer größerem Maße viele Produkte und nimmt nicht selten bereits einen höheren Stellenwert am Gesamtprodukt ein als die klassische mechanische Konstruktion. Beispiele aus dem Automotive-Bereich oder aus dem Maschinenbau gibt es viele.

Eine weitere Innovation ist die Kopplung des physischen Produktes mit Serviceleistungen oder Dienstleistungen. Das trifft gerade in Branchen zu, in denen die Produkte sich ähneln, aber Service und Supportdienstleistungen ein klares Differenzierungsmerkmal vom jeweiligen Wettbewerb sind. Ein dritter Trend ist eine immer fortschreitende Tendenz zur Individualisierung und Variantenvielfalt, um Kundenwünschen und Marktbedürfnissen gerecht zu werden. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich habe ja bereits „angedroht“, dass noch weitere Artikel folgen werden.

Aber diese Produktinnovationen sollten von diesem Ding namens PLM unterstützt und nicht behindert werden. Zum einen verlangt das natürlich nach Strategien und Lösungen. Welche PLM-Methoden, PLM-Prozesse, PLM-Datenmodelle sind geeignet, um diese Produktinnovationen zu unterstützen? Oder sogar noch voranzutreiben, ein innovatives PLM-Umfeld für innovative Produkte und Lösungen zu schaffen. Zum anderen wird sich an dieser Messlatte die Spreu vom Weizen trennen. IT-Trends nur um des Hypes willen werden in der Versenkung verschwinden. Wenn sie aber für eine Umgebung für die Entwicklung von innovativeren Produkten bieten, dann werden sie Teil eines PLM-Portfolios werden.

Aras Community Event Germany 2011 – ein Rückblick

ACE 2011 - World of the Possible– unter diesem Motto stand das zweite deutschsprachige Aras Community Event Germany 2011 in Bad Soden.

Zahlreiche Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch aus Ländern Skandinaviens machten die Veranstaltung zu einem lebendigen Forum für interdisziplinäres Product Lifecycle Management. PLM-Experten aus unterschiedlichsten Industriezweigen und Partner präsentierten neue Ideen und innovative Produkte rund um das Enterprise Open Source PLM-System Aras Innovator.

In zahlreichen Vorträgen konnten sich Interessierte über kundenspezifische Aras-Innovator-Implementierungen informieren oder während der „open desks“ Aras-Partner und deren neuesten Entwicklungen kennenlernen.

In einer erfrischenden und richtungsweisenden Präsentation von Professor Martin Eigner – Technische Universität Kaiserslautern – wurde die stetig zunehmende Integration von Elektronik- und Software-Komponenten in die Produktlandschaft thematisiert. Treffend formulierte Professor Eigner resultierende Probleme der zukünftigen Produktentwicklung: Die Verknüpfung und Zusammenarbeit verschiedenster Ingenieursdisziplinen (IT, Elektrotechnik und Mechanik) und die steigende Komplexität. „In der Entwicklung von Hardware, Elektronik und Software kommen verschiedene Prozesse und Software-Werkzeuge zum Einsatz und auch die Innovationszyklen fallen in diesen Disziplinen vollkommen unterschiedlich aus. Anstatt mit einer hohen Variantenvielfalt die Situation weiter zu verschärfen, wie es deutsche Ingenieure vielfach vormachen, setzt beispielsweise die japanische Automobilindustrie verstärkt auf Komponentenbildung.“

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich die Präsentation des Unternehmensgründers und CEOs der Aras Corp., Peter Schroer. In seinem eindrucksvollen Vortrag über die Zunahme von Komplexität durch Elektronik und Software in der Produktwelt – „Managing Configurations has gone from difficult to impossible“ – gab er Aussichten, wie Aras Innovator Unternehmen diesbezüglich unterstützen und zur Komplexitätsreduktion beitragen kann.

ACE 2011 - Complexity Accelerates

Darüber hinaus gewährte er einen Einblick in zukünftige Business-Lösungen von Aras Innovator. Themen wie Application Lifecycle Management, Innovation Management, Manufactoring Process Planning werden 2012 in  Aras Innovator Einzug erhalten. Aras bleibt sich also treu und entwickelt konsequent neue Businesslösungen für die Community.

Rolf Laudenbach – Director Field Services EMEA der Aras Corp. – berichtete abschließend ausführlich über Visionen und die Roadmap des neuesten Release Aras Innovator 9.3. Weiter ausgebaut werden die Möglichkeiten zur direkten Integration von CAD-Systemen und Microsoft-Office-Applikationen. Eine plattformunabhängige Produktstrategie ermöglicht künftig den Zugriff auf Aras Innovator mit unterschiedlichsten Web-Browsern. Außerdem ist die Unterstützung zusätzlicher mobiler Plattformen sowie weiterer Datenbanken über Microsoft SQL-Server hinaus vorgesehen. Die detaillierte Roadmap können Interessierte unter http://www.aras.com/plm-roadmap/ eingesehen.

Alle Präsentationen können unter http://arasplm.wordpress.com/ herunter geladen werden.

Fazit:
Enterprise Open Source PLM scheint in Deutschland angekommen zu sein.
Zu begrüßen ist die künftige Weiterentwicklung der Business-Lösungen sowie die Forcierung der client- und plattformunabhängigen Produktstrategie, die wohl mit den kommenden Releases Cambridge und Dublin Einzug erhalten werden.

Ältere Beiträge «