Ein Blick auf die Gartner IT-Trends 2012

In jedem Jahr veröffentlicht das Marktforschungsunternehmen Gartner die zehn strategisch wichtigsten Technologietrends für das Jahr – die Trends für 2011 habe ich bereits ausführlich kommentiert und nachträglich bewertet. Dieser Artikel greift die meiner Meinung nach interessantesten Ansätze aus den Prognosen für das Jahr 2012 auf und stellt deren Potenzial für die zukünftige Entwicklung von PLM-Systemen dar.

Die Entwicklung soll erwartungsgemäß auch in diesem Jahr weiter in Richtung Mobile Computing gehen. Der erste Trend: Tablets sollen sowohl in beruflichem als auch in privatem Umfeld weiter Einzug halten und das in unterschiedlichsten Ausführungen. Eine Trennung von privat und beruflich werde es in diesem Bereich zukünftig nicht mehr eindeutig geben. Darum seien Unternehmen gezwungen, ihre mobilen Strategien dahingehend anzupassen, dass auch private Geräte unterschiedlichen Typs sicher in das Firmennetz eingebunden werden können. Ein weiterer Trend, der eng mit dem zuvor Vorgestellten steht, ist die Wandlung von User Interfaces hin zu Touch-, Gesten- und Sprachsteuerung wie von Mobilgeräten bekannt.

Beide vorgestellten Trends könnten in PLM-Systemen sicher auch dazu beitragen, eine deutlich intuitivere Arbeit mit Produktstrukturen und der anschließenden Herstellung des Produktes zu ermöglichen. Man stelle sich als Beispiel einen Qualitätsprüfer mit einem Tablet vor. Er bekommt in Form einer Nachricht auf sein Tablet die Aufgabe vom PLM-System übermittelt, den Prototyp eines Bauteils in der Produktion zu prüfen. Anschließend inspiziert er das Bauteil und ruft gleichzeitig alle vorhanden Informationen darüber auf seinem Tablet auf. Über den Touchscreen navigiert er im CAD-Modell oder dem Drawing des Bauteils und überprüft gleichzeitig den vorliegenden Prototyp. Nachdem die Prüfung erfolgreich abgeschlossen wurde, gibt der Qualitätsprüfer das Bauteil im Prozess des PLM-Systems über sein Tablet frei. Er hätte jederzeit alle für seine Aufgaben benötigten Informationen bei sich und könnte seine Arbeit dadurch flexibler und effektiver gestalten. Das Unternehmen würde für diese Gestaltung eines Arbeitsplatzes nur die der Arbeit entsprechende App erwerben und auf dem Tablet des Qualitätsprüfers zur Verfügung stellen müssen.

Damit kommen wir zu einem weiteren Trend, der von Gartner angesprochen wurde: App-Stores und Marktplätze. Ein Unternehmen müsste im Beispiel des Qualitätsprüfers dann neben dem eigentlichen PLM-System nur die Apps kaufen, die für die Interaktion des Qualitätsprüfers mit dem PLM-System notwendig sind. Das Tablet wäre also individuell konfigurierbar und es gäbe nahezu keine überflüssigen Funktionen, die beim Mitarbeiter zur Verwirrung führen könnten.

Als Optimierung könnte man diesbezüglich auch noch den Trend zum Internet der Dinge in die Produktionskette einbinden. Sensoren in Endgeräten, die zur genauen Überprüfung von Eigenschaften der Produkte oder auch der Maschinen eingesetzt werden, würden dann mit dem PLM-System kommunizieren können und – um bei unserem Beispiel der Qualitätsprüfung zu bleiben – Fehlerberichte über einzelne Produktionsschritte übermitteln und dadurch eventuell Änderungsprozesse von Bauteilen zu starten.

Wie man in meinem Artikel bemerkt haben dürfte, geht der allgemeine Trend in Richtung mobile Kommunikation. Im Bereich PLM kann die Entwicklung eigentlich auch nur in diese Richtung gehen, da die Vorteile für Unternehmen durch den Einsatz der beschriebenen Technologien zweifelsohne groß sein werden. Eine interessante Vorstellung, aber das sind nur meine Gedanken zu diesem Thema. Uns würde sehr interessieren, welche potenziellen Möglichkeiten Sie in den beschriebenen Technologien für einen Einsatz in einem PLM-System sehen.

Über den Autor

Autor: Bernd Kensbock

Bernd Kensbock

Diplom-Informatiker (FH) und Consultant PLM-Entwicklung
Das Spannende an meiner Arbeit im Entwicklungsteam ist es, Unternehmensdaten und -prozesse zu strukturieren und in einem PLM-System abzubilden. Besonders wichtige Faktoren sind dabei Akzeptanz und Effektivität sowie die flexible Anpassbarkeit des Resultats, damit das System offen für künftige Herausforderungen ist.

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